Website-Icon Renate Baschung – Craniosacral Therapie

Wie Du nie wieder gekränkt wirst

Kränkung macht krank

Ja, Kränkungen machen krank, da ist die deutsche Sprache sehr präzise. Doch was bedeutet eine Kränkung? 

„Eine Kränkung, veraltet auch Mortifikation, ist die  tatsächliche oder vermeintliche Verletzung eines Menschen in seiner  Ehre, seinen Werten, seinen Gefühlen, insbesondere seiner Selbstachtung.“

Wikipedia

Eine  Kränkung bedeutet also, jemand verletzt mich in meiner Ehre, meinen  Werten, meinen Gefühlen und insbesondere meiner Selbstachtung. Ist das  möglich, dass mich jemand in meiner Selbstachtung verletzt? 

Angenommen,  mein Ideal ist, mit dem Rucksack durch die Welt zu tingeln. Ich möchte  in keiner Hinsicht als Erfolgs-süchtig und konform gelten und jemand  sagt zu mir: „Du bist doch ein Verlierer!“ Dann kann es sein, dass ich  lächle und denke: „Eigentlich ein schönes Kompliment.“ Wenn ich aber das  Ideal verfolge, in der Unternehmenswelt an die Spitze zu kommen und  jemand sagt: „Du bist doch ein Verlierer!“ dann werde ich vermutlich  denken, der andere habe mich gekränkt. Der Satz ist zweimal der Gleiche,  die Interpretation hingegen könnte unterschiedlicher nicht sein. Und  hast du bei dir auch schon mal bemerkt, dass es von vielen verschiedenen  Faktoren abhängt, ob du gekränkt reagierst, oder nicht? Dabei spielt  die Person, eure Geschichte, deine eigene Vergangenheit, deine momentane  Stimmung und dem interpretierten Tonfall abhängt. 

Wenn ich zum  Beispiel Eltern hatte, bei denen ich das Gefühl hatte sie hören mir  nicht zu, dann reagiere ich auf Einmischungen in mein Leben besonders  intensiv. Mit anderen Worten, es hat (fast) nichts mit deinem Gegenüber  zu tun, ob du gekränkt reagierst, sondern nur mit der Interpretation,  die du dem gibst. Also du entscheidest, ob dich etwas kränkt. 

Die  gute Nachricht dabei ist: Du bist zu 100 % unabhängig davon, dass  andere rücksichtsvoll mit dir umgehen. Du kannst immer selbst  entscheiden, wie du etwas interpretierst.  

Aber das passiert doch automatisch

Ja,  das passiert automatisch, und zwar im Bruchteil einer Sekunde. Und  genau in diesem Moment, wo wir da mitten drin stehen ist es schwierig  bis unmöglich nicht gekränkt, wütend oder traurig zu reagieren. Diese  Kränkung macht allerdings auch noch nicht krank. Krank macht hingegen  das gedankliche Wiederkäuen. Das immer wieder daran denken und die  wirklich guten Antworten kommen ja bekanntlich erst im Nachhinein: „Du  Blödmann, du musst gerade was sagen…“ und was uns dann noch so in den  Sinn kommt. Und in Gedanken erleben wir die Situation wieder und wieder  und wieder. Und mit jedem Mal daran denken, werden wir wütender und  frustrierter. „Hat er nicht letztens schon mal so was Blödes gesagt? Was  ist das eigentlich für ein aufgeblasener Frosch?“ Und dann lenken wir  uns irgendwie ab und 5 Minuten später kauen wir es wieder und wieder und  noch einmal. Die Situation ist schon lange vorbei, aber wir können sie  nicht vergangen sein lassen.

Das helfen die vier Fragen von Byron Katie

Damit  sie wirklich helfen, ist es notwendig ruhig zu werden und Dich wirklich  auf die Frage einzulassen. Die Antworten kommen von Innen und Du spürst  wie sie Dich beruhigen. Häufig möchten wir allerdings bestätigt werden  in unserer Meinung und dann sind wir so damit beschäftigt Recht zu  haben, dass wir die Antworten in unserem Inneren kaum hören können. Dann  kann es hilfreich sein, jemanden bei sich sitzen zu haben, der zuhört  und selber ruhig ist, und neugierig, was Du denn heute herausfindest. 

Es geht nicht darum, sich etwas schönzureden.

Im Gegenteil, ich bin nach der Suche nach den klaren Fakten. Er hat mich gekränkt. 1. Ist das wahr? (Ja/Nein) 2. Er hat mich gekränkt, kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? (Ja/Nein)3.  Wie reagiere ich, was passiert, wenn ich den Gedanken glaube, er hat  mich gekränkt? Wie geht es mir? Was spüre ich in meinem Körper? Was tue  ich? Wie behandle ich den Anderen? Wie behandle ich mich selber?4.  Wer wäre ich ohne den Gedanken? Angenommen ich wäre nicht in der Lage  den Gedanken zu denken er hat mich gekränkt? Wie lebe ich mein Leben  ohne diesen Gedanken?Dann drehe ich den Gedanken um: ⁣Ins Gegenteil: Er hat mich nicht gekränkt. Könnte das genauso wahr, oder wahrer sein?Ich habe mich gekränkt? Könnte das genauso wahr oder wahrer sein?Ich habe ihn gekränkt? Wie könnte das auch wahr sein?

Was dann entsteht, ist Frieden und Freiheit. Mit der Zeit folgt auch der Körper, soweit er kann.

Was es mich kostet?

Es  kostet mich, recht zu haben. Es kostet mich die Verantwortung  abschieben zu können zu jemand anderen. Es kostet mich nichts tun zu  können. Es kostet mich im Opferstatus bleiben zu können. Es kostet mich  meine Geschichte, die ich für wahr halte, zu hinterfragen. 

Dafür  bekomme ich Frieden mit mir und meistens auch mit dem Anderen. Es kostet  mich eine Stunde, in der ich mit einem offenen und neugierigen Blick  die Situation noch einmal genau untersuche. Wenn du das auch einmal  erleben willst, dann melde dich bei mir, ich begleite dich gerne bei  einer Untersuchung, denn es ist wie bei jeder anderen Kunst auch. Wir  lernen von jemandem, der es schon gut kann, bis wir unseren eigenen Weg  damit gehen. 

Kennst du das auch? Wie erlebst du eine Kränkung,  kaust du sie auch wieder oder ist sie anschliessend vergessen? Kann dich  jemand kränken?

Meine eigene Geschichte

In  meiner eigenen Geschichte gab es mal eine Diskussion mit meiner  Schwägerin. Sie ist ein Stück älter als ich und zu der Zeit war ich noch  sehr jung. Ich habe damals erwogen, eine psychologische Weiterbildung  zu besuchen. Meine Schwägerin ist Diplompsychologin und sehr gut  ausgebildet. Mein Bruder ist Physiker mit Doktortitel. Beiden ist  akademische Bildung sehr wichtig. Beide meinen es immer gut mit mir. Sie  waren bei uns zu Besuch und ich erzählte von meinem Wunsch diese  Weiterbildung zu machen. Da hat meine Schwägerin sehr engagiert  versucht, mich davon abzuhalten. (In meiner Geschichte hat sie mich  beschimpft, bevormundet, mir nicht zugehört und beleidigt.) Ich habe  sofort um meine Autonomie gekämpft und auch um die Liebe zu meinem  Bruder. Das hat dann zu einem Streit zwischen mir und meinem Bruder und  seiner Frau geführt, der mehr als 10 Jahre angedauert hat. 

Meine eigene Realität

Heute  kann ich sehen, in Wirklichkeit wollte sie mich beschützen davor eine  unseriöse Ausbildung zu machen und mit Halbwissen zu agieren. In ihrer  Welt war dafür ein Studium unumgänglich, denn sie hat den Wert eines  Studiums selbst erlebt. Sie wollte das auch für mich. Das, was  eigentlich fürsorglich und engagiert gedacht war, habe ich vollständig  gegen mich gerichtet interpretiert. Nachdem ich die Situation nach über  zehn Jahren genau angeschaut habe, konnte ich nichts mehr finden, was  nicht liebevoll war. Es war ein Missverständnis. Verzeihen bedeutet zu  verstehen, dass das, was ich dachte, was passiert sei, gar nie passiert  ist. (Sondern nur meine Interpretation des Geschehenen war). Es tat mir  dann leid, um die zehn Jahre, in denen wir so ein schwieriges Verhältnis  miteinander hatten und ich bin ihr sehr dankbar, dass sie meine  Entschuldigung angenommen hat. 

Bin ich dann nicht immer der Dubel?

Und  hätte nicht auch sie sich entschuldigen müssen? Das kann nur sie selbst  entscheiden. Ich entschuldige mich nicht für sie, sondern für mich. Für  meinen Frieden und meine Gesundheit. Ich habe keine Ahnung, wie sie das  ganze empfunden hat, und ob sie sich für ihren Frieden entschuldigen  sollte. Für meinen Frieden und meine Freiheit ist es auch nur wichtig,  was ich tue. Mich zu entschuldigen ist das, was ich für mich tun kann.  Denn ich habe mich gekränkt, in dem ich zehn Jahre lang in Streit lag  mit den Beiden. Ich habe mir sehr weh getan, mit jedem Gedanken an die  Situation, in der ich an meine Geschichte geglaubt habe, dass sie mich  gekränkt haben. Mich zu entschuldigen, schafft in mir einen Ausgleich  dafür. Auch deshalb, weil ich dann anerkenne, was schwierig für mich  war. Das gibt mir völlige Freiheit, und auf die Art und Weise bin ich  unabhängig vom Verhalten anderer.

Es geht um Dich

Wir  reagieren gekränkt, wenn wir glauben, jemand Anderer hätte etwas  gemacht, um uns zu verletzen. Doch können wir das jemals wissen? Können  wir die Motivation des Anderen wirklich jemals realistisch einschätzen?  Machst du manchmal Dinge, um jemand anderen bewusst zu verletzen? Ich  tue das eigentlich nur dann, wenn ich glaube, zuerst vom Anderen  verletzt worden zu sein. Vielleicht ist der Andere genau wie ich?  Vielleicht habe ich etwas getan, was ihn oder sie zuerst verletzt hat?  Und vielleicht stimmt nicht einmal das, sondern ich habe, wie in meinem  Beispiel einfach etwas missverstanden? Unabhängig davon, was der Andere  für eine Motivation hatte, kann ich dafür sorgen, dass es aufhört, und  zwar in mir. Indem ich die Geschichte, die ich mir erzähle, hinterfrage.  Und wenn das gelungen ist, habe ich kein Problem mehr mit dem Anderen.Schreibe  mir doch in den Kommentaren, wie du mit Kränkungen umgehst, damit  machst du mir eine riesengrosse Freude. Und wer weiss, vielleicht hilfst  du damit jemandem Anderen.

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